Fünf Gewerkschafts-Mythen im Faktencheck

In jeder Teeküche fallen sie irgendwann: die fünf Standardsätze gegen die Gewerkschaftsmitgliedschaft. Manche beruhen auf Missverständnissen, manche sind schlicht falsch. Hier sind sie – und die Fakten dazu.

Mythos 1: „Das ist mir zu teuer

Der Beitrag ist ein Prozent des Bruttoentgelts und steuerlich absetzbar. Dagegen stehen einklagbare Tarifleistungen im Wert von mehreren tausend Euro jährlich und ein Rechtsschutz, der im Ernstfall vierstellige Anwaltskosten erspart [Regieanweisung: auf M1 verlinken]. Teuer ist nicht der Beitrag – teuer ist der Ernstfall ohne ihn.

Mythos 2: „Wenn ich eintrete, erfährt das mein Chef“

Nein. Die Mitgliedschaft ist vertraulich: Der Beitrag wird von deinem Privatkonto eingezogen, nicht über die Entgeltabrechnung, und die IGBCE gibt keine Mitgliederdaten an Arbeitgeber weiter. Ob und wem du von deiner Mitgliedschaft erzählst, entscheidest allein du. Und selbst wenn: Benachteiligung wegen Gewerkschaftszugehörigkeit ist verboten (Art. 9 Abs. 3 GG, § 612a BGB).

Mythos 3: „Ich bekomme den Tarif doch sowieso“

Stimmt heute – als freiwillige Leistung des Arbeitgebers, die er für Nicht-Mitglieder jederzeit einschränken könnte. Einen einklagbaren Anspruch haben nur Mitglieder. Und vor allem: Der Tarif, den alle bekommen, existiert überhaupt nur, weil genug Beschäftigte organisiert sind. Wer profitiert, ohne beizutragen, sägt langsam am Ast, auf dem alle sitzen – bei sinkendem Organisationsgrad sinken erfahrungsgemäß auch die Abschlüsse.

Mythos 4: „Gewerkschaft heißt dauernd Streik“

Die Chemie ist das Gegenbeispiel: Die Sozialpartnerschaft zwischen IGBCE und Arbeitgebern gilt als die konfliktärmste der deutschen Industrie – verhandelt wird hart, gestreikt wurde in der Branche seit Jahrzehnten praktisch nicht. Streik ist das letzte Mittel, nicht das Geschäftsmodell. Stark verhandelt, wer glaubwürdig könnte, aber selten muss.

Mythos 5: „Die IGBCE ist doch nichts für die Pflege“

FMC ist tarifgebunden in der chemisch-pharmazeutischen Industrie – zuständig ist die IGBCE, und euer Chemietarif ist einer der besten Branchentarife überhaupt: 37,5-Stunden-Woche, 30 Tage Urlaub, Jahresleistung, Krankengeldzuschuss. Je mehr Pflegekräfte sich organisieren, desto stärker werden Pflege-Themen in Tarifrunden und Betriebspolitik – genau dafür gibt es diese Seite.

Checkliste: Argumente für die Teeküche

  • Kosten: 1 % brutto, absetzbar – gegen Tarifwert und Rechtsschutz gerechnet.
  • Vertraulich: Einzug privat, keine Daten an den Arbeitgeber.
  • Tarif gilt freiwillig für alle – einklagbar nur für Mitglieder.
  • Chemie = Sozialpartnerschaft, nicht Dauerstreik.
  • FMC = Chemietarif = IGBCE. Pflege gehört hier dazu.

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